Kompetenzzentrum Kunststoff Troisdorf
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„Morgens grüßt Herr Müller“

Donnerstag, 5. März 2026

Der Spezialist für „innen hohle Kunststoffformen“ sitzt in Troisdorf Spich – die „W. Müller GmbH“

(v.r.:) TROWISTA-Geschäftsführer Alexander Miller und Bürgermeister Alexander Biber bei einem Firmenbesuch mit Geschäftsführer Christian Müller und Betriebsleiter Marcus Schmitt. 

Ein „massives“ Kunststoffteil zu spritzen oder zu pressen, das kann man sich noch gut vorstellen. Aber wie entsteht ein hohles Bauteil? Wie formt man eine Duschlotion-Flasche, einen Kunststofftank oder einen Benzinkanister aus Kunststoff? Und warum sind Hohlkörper aus Kunststoff praktischer als welche aus Glas?

Glasflaschen mögen teuer oder chic aussehen. Doch was passiert, wenn Ihnen die Glasflasche aus der Hand gleitet und Tausend Scherben in der Duschtasse liegen? Das möchte niemand. Deshalb werden Duschlotionen in Kunststoffflaschen abgefüllt. Sie sehen ebenso wertig und chic aus, sind aber deutlich sicherer! Wenn Sie also das nächste Mal unter der Dusche stehen, halten Sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein Produkt von Christian Müller und Brigitte Müller, Inhaber und Geschäftsführer der W. Müller GmbH aus Troisdorf-Spich, in Händen. Die Firma stellt nämlich Maschinen her, die solche Flaschen herstellen können. Hohlblasformen, sagt der Experte dazu. Das heißt deshalb so, weil seine Maschinen einen Schlauch extrudieren, der durch Luft in einen kleinen Kunststoffschlauch gepustet (gepresst) wird, der dann in einer Form die Gestalt einer Duschlotionflasche annimmt. Christian Müller kennt sich bestens aus mit hohlen Verpackungen und Spezialbehältern aus Kunststoff: Die „W. Müller GmbH“ ist Hersteller von Extrusionsschlauchköpfen, dem eigentlichen Clou, mit dem sich solche Flaschen, Kanister oder Behälter herstellen lassen. 1976 vom Ehepaar Willi und Karin Müller gegründet, führen heute Karin und die gemeinsamen Kinder Brigitte und Christian Müller ein traditionelles Familienunternehmen.

Varinia Lück, Technikumsleiterin, prüft am Mikroskop den Aufbau der einzelnen Schichten einer Kunststoff-Flasche.

Ein besonderes Juwel bei Müller ist das Technikum, ein Wissenszentrum, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Eigentlich sollte jeder seiner Kunden eins haben. Da in vielen Fällen entweder das notwendige Know-how fehlt oder Investitionen gescheut werden, haben Willi und Karin Müller kurzerhand ein eigenes Technikum aufgebaut. Dieses wurde später von Christian und Brigitte Müller weitergeführt, modernisiert und erweitert und wird heute von Kunden intensiv genutzt, um gemeinsam mit W. Müller Produkte zu entwickeln.

Das stärkt die Bindung. Wer möchte schon zu einem Wettbewerber wechseln, der kein solches Technikum hat? Zwei Millionen Euro hat Müller in das Technikum investiert. „Gut angelegtes Geld“, wie der Inhaber sagt. Das hat Türen zu Partnern eröffnet, die nicht zu seinem Kundenkreis gehören, zum Grünen Punkt in Gremberghoven zum Beispiel, oder zum Abfallspezialisten Remondis und Palurec GmbH.

W. Müller verfügt über eine Technologie, mit der sich Recyclingmaterialien deutlich einfacher und stabiler verarbeiten lassen. Ziel ist es, den Wertstoffkreislauf konsequent zu schließen: Die Flasche, die heute in der Gelben Tonne entsorgt wird, soll wenige Monate später wieder als neue Flasche – etwa im Badezimmer – zum Einsatz kommen.

Die Verarbeitung von Recyclingmaterialien für Flaschen ist W. Müller bereits seit einiger Zeit gelungen. Mithilfe einer bewährten Mehrschichttechnologie können hochwertige Verpackungen mit hohem Rezyklatanteil hergestellt werden. Eine besondere Herausforderung stellte jedoch die Frage dar, wie sich Getränkekartons, etwa für Milch oder Saft, sinnvoll weiterverwerten lassen.

Diese Verpackungen bestehen zwar zu rund 70 Prozent aus Karton, der verbleibende Anteil setzt sich jedoch aus Kunststoffen und Aluminium zusammen. Diese Materialkombination ist nur schwer zu trennen. Obwohl Getränkekartons auf den ersten Blick sehr umweltfreundlich wirken, stellen sie für Recyclingbetriebe häufig eine große Herausforderung dar.

W. Müller hat sich dieser Aufgabe gestellt und Versuche mit einem von der Palurec GmbH aufbereiteten Recyclingmaterial durchgeführt. Dabei kam dieselbe Mehrschichttechnologie zum Einsatz, die sich bereits bei anderen Rezyklaten bewährt hat. Das Ergebnis stellt einen wichtigen technologischen Meilenstein dar und bietet einen erheblichen Mehrwert für Müllers Kunden.

Christian Völkerath, Mitarbeiter im Technikum, und Maurice Mielke, Technischer Direktor, prüfen die Qualität einer im Technikum produzierten Kunststoff-Flasche.

Das sogenannte „PolyAl“ – ein Verbundmaterial aus Polyethylen und Aluminium, das nach dem Entfernen der Papierfasern aus Getränkekartons zurückbleibt – galt bislang als kaum für die Flaschenherstellung geeignet. Gemeinsam mit der Palurec GmbH hat W. Müller im eigenen Technikum untersucht, ob sich dieses Material dennoch nutzen lässt. Mit Erfolg: Die daraus hergestellten Kanister überzeugen nicht nur funktional, sondern zeigen auch charakteristische Glanzpunkte des Aluminiums, die ihnen eine besondere Optik verleihen.

„Unsere Maschinen homogenisieren das Material so gleichmäßig, dass selbst solche komplizierten Stoffe sauber verarbeitet werden können“, sagen Varinia Lück, Abteilungsleiterin Technikum und ihr Team.

Für sie steht fest: PolyAl war nicht der erste schwierige Stoff und wird auch nicht der letzte sein. Immer mehr Hersteller, Recycler und Kunden suchen neue Recyclingmöglichkeiten. „Wir lieben solche Herausforderungen“, sagt Varinia Lück. „Gerade beim Recycling wird es nie langweilig und genau dafür ist unser Technikum da. Die Anwendungsbereiche für Müller-Maschinen sind vielfältig: medizinische oder pharmazeutische Verpackungen, Lösungen für die Kosmetik-Industrie, aber auch industrielle Verpackungen und technische Produkte für den Automobilsektor.

Dabei liefert Müller nicht nur Neumaschinen, sondern bietet auch Komplettsysteme zur Umrüstung vorhandener Blasformmaschinen an. Bedienerfreundliche Kontrollsysteme, Installation und Inbetriebnahme vor Ort sowie ein weltweiter Kundenservice werden von den vielen langjährigen Kunden geschätzt und haben die Geschäftsbeziehungen nachhaltig geprägt.

Die beiden Müller-Standorte – Produktion, Technikum und Konstruktionsabteilung in Troisdorf-Spich und die Niederlassung „W. MÜLLER USA Inc.“ in Agawam/Massachusetts in den USA, sind wichtige Pfeiler für die globale Entwicklung des Unternehmens.

Für Müller bedeutet Tradition vor allem ständige Weiterentwicklung. Produkte von Müller finden sich in 54 Ländern, über 4.000 Extrusionsblasköpfe wurden im Laufe der Jahre ausgeliefert. Und mit rund 100 Mitarbeitern weltweit erwirtschaftet der Spicher Maschinenbauer derzeit etwa 20 Millionen Euro Jahresumsatz. Die meisten Müller-Produkte kaufen deutsche und US-amerikanische Kunden. Danach folgen fast gleichauf Italien und Frankreich.

Kunststoff bleibt im Verpackungssektor der beliebteste Werkstoff. Warum dies so bleiben wird, dazu hat Herr Müller eine eigene Meinung: „Die Kunststoffverpackung bietet eine beispiellose Variantenvielfalt für individuelle Anforderungen. Zudem kann der Werkstoff mithilfe von aufgebrachten Folien ganz neue Eigenschaften erhalten – er kann Aromen in der Packung versiegeln, den Inhalt vor UV-Strahlen schützen oder eine besondere Stoßfestigkeit erhalten. Versuchen Sie all das mal bei Glas unter einen Hut zu bringen.“

Mehr über die „Hidden Champions“ der Kunststoffbranche in Troisdorf finden Sie auf der Website www.Kompetenzzentrum-Kunststoff.de in der Rubrik „Kompetenz in Kunststoff“.